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Angststörungen & Panikstörungen

Unter Angststörungen oder Panikstörungen versteht man Angstzustände, die durch seelische und körperliche Beschwerden wie bei einer normalen Angstreaktion gekennzeichnet sind, aber ohne entsprechende Bedrohung auftreten.

Die Ursachen für Angststörungen sind noch nicht eindeutig geklärt, es gibt jedoch psychoanalytische, lerntheoretische und neurobiologische Theorien. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden an Angstzuständen von behandlungsbedürftigem Ausmaß.

 

Angstzustände

Man unterscheidet dabei Panikattacken, die ohne äußeren Anlass entstehen, generalisierte Angstzustände, die ohne Behandlung jahrelang anhalten können, und Phobien. Unter Phobien versteht man Ängste, die durch bestimmte, jedoch ungefährliche Auslöser hervorgerufen werden. Beispiele für Phobien sind die Agoraphobie (Angst vor großen Plätzen), Klaustrophobie (Angst in bzw. vor geschlossenen Räumen), Soziale Phobien und Flugangst. Bei fehlender Therapie wird die Angststörung häufig chronisch und es kommt zum sozialen Rückzug sowie häufig zum Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholmissbrauch.

Die Behandlung von Angststörungen besteht meist darin, Entspannungstechniken zu erlernen und eine Psychotherapie wahrzunehmen. Medikamente wie Beruhigungsmittel und Betablocker können zusätzlich hilfreich sein, jedoch nicht die Ursache der Angststörung beheben.

 

Definition

Unter Angststörungen oder Panikstörungen versteht man Angstzustände, die durch seelische und körperliche Beschwerden wie bei einer normalen Angstreaktion gekennzeichnet sind, aber ohne entsprechende Bedrohung auftreten. Veraltet werden Angststörungen auch als Angstneurosen bezeichnet.

Grundsätzlich kann Angst als ein Gefühl von Bedrohung beschrieben werden. In diesem Rahmen hat Angst durchaus eine nützliche Funktion, da sie ein Alarmsignal ist, das Aktivitäten zur Beseitigung einer Gefahr auslösen kann. Nach Beseitigung dieser Bedrohung sollte aber auch die Angst verschwinden.

Bei der krankhaften Angst (Angststörung, Panikstörung) sind die natürlichen körperlichen und geistigen Abwehrfunktionen jedoch wie gelähmt. Angst wird dann als Krankheit angesehen, wenn sie scheinbar grundlos auftritt oder übermäßig oder gar nicht ausgeprägt ist.

Unter der Bezeichnung Angststörung oder Panikstörung werden folgende unterschiedliche Formen krankhafter Angst zusammengefasst:

Generalisierte Angst, die den Betroffenen ohne äußeren Anlass überfällt

Phobische Angst, die sich als eine zwanghafte Befürchtung zeigt, welche sich angesichts bestimmter Situationen und Objekte aufdrängt, obwohl die Person weiß, dass diese Angst unbegründet ist

Panik, die ohne sichtbaren Anlass entstehende intensive Angst bezeichnet und meist attackenartig auftritt

 

Häufigkeit

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Bei etwa zehn Prozent der Allgemeinbevölkerung findet sich Angst in einem behandlungsbedürftigen Ausmaß. Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Selten liegt der Erkrankungsbeginn nach dem 45. Lebensjahr. Die einzelnen Formen der Angststörung oder Panikstörung unterscheiden sich bezüglich ihrer Häufigkeit. Dabei sind die spezifischen Phobien (z.B. Höhenangst, Klaustrophobie, Flugangst) am weitesten verbreitet, sie werden aber nur relativ selten psychiatrisch oder psychotherapeutisch behandelt. Dahingegen tritt die Panikstörung zwar relativ selten auf, ist aber am häufigsten behandlungsbedürftig.

 

Ursachen

Über die Entstehung von Angststörungen oder Panikstörungen bestehen verschiedene, vielschichtige Theorien.

Psychoanalytische Theorien

Der Ansatz der psychoanalytischen Theorie geht davon aus, dass die Bildung von Symptomen im Rahmen einer Angststörung fast immer den Zweck hat, konflikthafte Bestrebungen und Einstellungen im Individuum durch einen Kompromiss miteinander zu versöhnen und so das psychische Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Misslingt eine solche Konfliktlösung, tritt Angst auf. Auch wird angenommen, dass die betroffene Person nicht die Fähigkeit entwickeln konnte, mit normaler Angst umzugehen. In Konfliktsituationen erlebt die Person deshalb eine Überforderung, und es können alte kindliche Ängste in ihr aufsteigen. Auch treten besonders bei drohendem Verlust (z.B. einer nahestehenden Bezugsperson oder sozialer Anerkennung) akute Ängste wie Trennungsangst auf.

Bezüglich der Entstehung von Phobien vermutet man, dass Konflikte, die innerhalb eines Individuums auftreten (z.B. verdrängte sexuelle Phantasien), durch Abwehrmechanismen nach außen verlagert werden. Bei einer Phobie hat der Betroffene dann nicht eigentlich Angst vor dem wirklichen Objekt, auf das er phobisch reagiert, sondern er fürchtet in Wahrheit die unbewusste Phantasie, die mit diesem Objekt in Verbindung steht. Die äußere steht also für eine innere Angst.

Lerntheoretische Erklärungen

Die lerntheoretischen Erklärungen eignen sich insbesondere für die Beschreibung der Entstehung von Phobien. Es wird ein mehrstufiger Prozess angenommen. Zunächst "erlernt" eine Person die Angst vor einer ehemals neutralen Situation. Am Beispiel der Flugangst bedeutet das: Eine Person, die nie Angst vor dem Fliegen hatte, erlebt bei einem unruhigen Flug die Angst abzustürzen. Die ehemals neutrale oder sogar als angenehm erlebte Situation des Fliegens ist nun mit Angst besetzt. Würde diese Person sich danach wiederholt dieser Situation aussetzen und dabei sehen, dass die Angst unbegründet ist, würde das Fliegen seinen bedrohlichen Charakter verlieren. Die erworbene Angst vor dem Fliegen hält aber die Person davon ab, sich dieser Situation erneut auszusetzen. Auf diese Weise wird durch die Vermeidung der angstbesetzten Situation die Angst aufrechterhalten, denn die Vermeidung der Situation wird durch das Ausbleiben der Angst "belohnt".

Es kann auch Angst vor einer Situation oder einem Objekt erworben werden, mit der/dem die Person selbst noch nie schlechte Erfahrungen gemacht hat. So kann beispielsweise bei einem Kind Angst vor Mäusen entstehen, weil es gesehen hat, mit welcher Angst seine Mutter auf den Anblick einer Maus reagiert hat. Durch diese Beobachtung hat es gelernt, dass eine Maus etwas ist, wovor man Angst haben muss.

Bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Angststörungen spielt auch die Wahrnehmung körperlicher Symptome eine wichtige Rolle. Verspürt eine Person Angst, stellen sich bei ihr körperliche Reaktionen wie Herzrasen ein. Diese Symptome werden vom Betroffenen subjektiv als Gefahr gedeutet, was dazu führt, dass das Angstgefühl noch verstärkt wird. Das wiederum trägt im Rahmen einer Stressreaktion zur Verstärkung der körperlichen Symptome bei. Es hat sich auf diese Weise ein Teufelskreis gebildet, der die stete Zunahme der Angstsymptomatik bewirkt.

Die Lerntheorie kann auch erklären, warum es im Zusammenhang mit Panikstörungen zum Auftreten von Erwartungsangst kommt. Durch das wiederholte Auftreten einer Panikattacke wird Angst vor weiteren Attacken ausgelöst; es entsteht eine Angst vor der Angst.

Neurobiologische Aspekte

Die psychoanalytischen und lerntheoretischen Erklärungen suchen die Ursachen für Angststörungen oder Panikstörungen in bestimmten Umweltbedingungen.

Dabei geht man davon aus, dass nicht allein schlechte Lernerfahrungen zu der Ausbildung einer Phobie führen, sondern dass zusätzlich eine biologische Disposition besteht. Ein Faktor, der hierbei eine Rolle zu spielen scheint, ist die Labilität oder Stabilität des autonomen Nervensystems. Das autonome Nervensystem reguliert und kontrolliert die Funktionen der inneren Organe, etwa Herz und Atmung. Bei Menschen, die an einer Angststörung leiden, scheint das autonome Nervensystem labil zu sein und leicht durch verschiedenste Reize erregt zu werden. Dies führt dazu, dass Angstsymptome besonders schnell ausgebildet werden können. Diese Labilität des autonomen Nervensystems scheint angeboren zu sein. So zeigt sich auch, dass genetische Faktoren an der Entstehung von Angststörungen beteiligt sind. Untersuchungen haben ergeben, dass Verwandte ersten Grades von Personen, die unter einer Angststörung leiden, eine höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit haben als Verwandte Nichtbetroffener.

Es ist jedoch nicht bekannt, ob diese Ergebnisse nur auf genetische Faktoren zurückgeführt werden können, denn Verwandte ersten Grades leben häufig auch in der gleichen Umwelt oder sie sind beziehungsweise waren ähnlichen Einflüssen ausgesetzt. Falls also Umweltfaktoren die Entstehung von Angststörungen beeinflussen, wie es beispielsweise die Lerntheorie annimmt, könnte das der Grund für die höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit im verwandtschaftlichen Umfeld Betroffener sein. Weitere neurobiologische Befunde zeigen, dass bei Menschen mit einer Angststörung Besonderheiten bezüglich der Aktivität bestimmter Hirnregionen und der zugehörigen Botenstoffe vorliegen.

Angst kann auch im Zusammenhang mit bestimmten Substanzen, wie Alkohol, Koffein oder Drogen, auftreten. So kann beispielsweise die durch Aufputschmittel bedingte Kreislaufreaktion als Panikattacke erlebt werden. Baut der Betroffene daraufhin die Erwartungsangst auf, dass es zu einer weiteren Angstattacke kommen könnte, ist der Grundstein für eine Panikstörung gelegt.

 

Symptome

Angststörungen oder Panikstörungen äußern sich sowohl auf der Ebene seelischen Erlebens, als auch durch körperliche Symptome und Veränderung des Verhaltens. Oft steht beim Betroffenen nicht das subjektive Erleben von Angst im Vordergrund, sondern vielmehr körperliche Beschwerden, wie Schwindel und Brustschmerzen, aufgrund derer medizinische Hilfe gesucht wird. Aus diesem Grund werden Personen, die unter einer Angststörung leiden, häufig erst auf den Verdacht einer Herzerkrankung oder Ähnlichem untersucht und behandelt, bevor die körperlichen Symptome als Anzeichen einer Angststörung erkannt werden. Je nach Art der Angststörung zeigen sich unterschiedliche Symptome.

Panikstörung

Panikstörungen äußern sich in wiederholten Panikattacken. Unter Panikattacken versteht man das plötzliche Auftreten intensiver Angst. Innerhalb weniger Minuten steigert sich die Angst zu einem Höhepunkt. Neben psychischen Anzeichen treten auch ausgeprägte körperliche Symptome, wie Herzrasen, Beklemmungsgefühle, Atemnot und Zittern, auf. Viele von Panikstörungen Betroffene empfinden starke Todesangst. Häufig entwickelt sich eine Erwartungsangst vor der nächsten Attacke, auch sozialer Rückzug kann eine Folge der Panikstörung sein. Die Dauer einer Panikattacke schwankt von einigen Minuten bis zu einigen Stunden, in den meisten Fällen hält sie aber zehn bis 30 Minuten an. Wenn die körperlichen Symptome einer Panikstörung sich auf das Herz konzentrieren, spricht man von einer Herzphobie. Von dieser Form der Panikstörungen sind am häufigsten Männer im mittleren Lebensalter betroffen. Eine Herzphobie wird vermutlich oft durch eine Herzerkrankung im näheren Umfeld des Betroffenen ausgelöst oder auch durch allzu intensive Beschäftigung mit diesem Krankheitsbild. Es lassen drei Arten von Panikattacken unterscheiden:

spontane Panikattacken

angstbedingte Panikattacken

situationsbedingte Panikattacken

Spontane Panikattacken

Eine spontane Panikattacke kann ohne Vorwarnung zu jeder Tages- oder Nachtzeit auftreten, unabhängig von der Tätigkeit der betroffenen Person. Dabei bekommen die Betroffenen beispielsweise Angst, dass sie einen Herzinfarkt bekommen haben oder bekommen werden. Eine spontane Panikattacke kann beispielsweise auftreten, wenn der Betroffene plötzlich aus dem Schlaf gerissen wird.

Angstbedingte Panikattacken

Angstbedingte Panikattacken werden durch bereits vorher Angst einflößende Situationen, Ereignisse oder Orte ausgelöst. Das können Tunnel oder das Innere von Flugzeugen sein, aber auch größere Menschenansammlungen, vor allem, wenn man vor ihnen eine Rede halten muss. Auch die engen Röhren von Magnetresonanztomographen oder Computertomographen kommen als Auslöser angstbedingter Panikattacken in Frage.

Situationsbedingte Panikattacken

Situationsbedingte Panikattacken werden durch bestimmte Situationen ausgelöst, die für den Betroffenen nicht von vornherein mit Angst belegt sind. So kann man beispielsweise lange Zeit angstfrei Auto fahren oder vor einer Schulklasse unterrichten, bis es urplötzlich zu einer Angstattacke kommt.

Generalisierte Angststörung

Bei einer generalisierten Angststörung handelt es sich um lang anhaltende Angst, die nicht nur auf bestimmte Situationen oder Objekte begrenzt ist. Der Betroffene kann sich nur kurzfristig von dieser Angst ablenken oder distanzieren. Bei generalisierten Angststörungen zeigen sich typische Symptome:

motorische Spannung, die durch Zittern, Muskelanspannung und Ruhelosigkeit gekennzeichnet ist

unkontrollierbare Übererregbarkeit, die sich durch Beklemmungsgefühle, Schwitzen, Mundtrockenheit und Schwindel äußert

übermäßige Wachsamkeit und erhöhte Aufmerksamkeit, die sich durch ein Gefühl der Anspannung, übermäßige Schreckhaftigkeit, Ein- oder Durchschlafschwierigkeiten und Reizbarkeit bemerkbar macht

Phobien

Phobien sind als eine unvernünftige Ängste vor bestimmten Gegenständen oder Situationen definiert, die sich dem Betroffenen aufdrängen, obwohl er weiß, dass sie unsinnig sind. Es werden die folgenden Erscheinungsformen unterschieden:

Agoraphobie (wörtlich: Angst vor großen Plätzen)

Soziale Phobie

Spezifische Phobien

Agoraphobie

Bei der Agoraphobie besteht Angst vor solchen Situationen, in denen sich der Betroffene außerhalb seiner gewohnten Umgebung aufhält. Typische Situationen sind der Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen oder in Menschenmengen und weite Entfernung von zu Hause. Personen, die unter einer Agoraphobie leiden, fürchten in solchen Situationen, nicht flüchten zu können, wenn hilflos machende oder peinliche Symptome wie Schwindel oder Verlust der Blasenkontrolle auftreten. Infolge dieser Befürchtungen meidet der Betroffene die Angst auslösenden Situationen, was eine zunehmende Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit zur Folge hat. Agoraphobie tritt häufig in Verbindung mit einer Panikstörung auf.

Soziale Phobie

Eine soziale Phobie äußert sich durch anhaltende, starke Angst vor Situationen, in denen der Betroffene im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Eine typische Situation ist das Halten eines Vortrags vor Publikum. Der Betroffene weiß, dass die Angst unvernünftig und übertrieben ist, kann sich aber kaum dagegen wehren und versucht deshalb, die Angst auslösenden Situationen zu vermeiden. Die Soziale Phobie tritt häufig in Verbindung mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik auf. Typische Symptome sind Erröten, Vermeidung von Blickkontakt, Händezittern, Übelkeit und Harndrang.

Spezifische Phobien

Spezifische Phobien sind durch die anhaltende Angst vor einem spezifischen Objekt oder einer bestimmten Situation gekennzeichnet. Die häufigsten Formen sind:

Angst vor Tieren, insbesondere vor Hunden, Insekten, Schlangen oder Mäusen

Angst vor Blut

Angst vor geschlossenen Räumen

Höhenangst

Flugangst

Angst vor Ansteckung

Diese Ängste sind auch in der Normalbevölkerung weit verbreitet. Sie werden erst dann als krankhaft bezeichnet, wenn sie den Tagesablauf, die üblichen sozialen Aktivitäten oder Beziehungen beeinträchtigen oder erhebliches Leid verursachen. So kann es zum Beispiel sein, dass ein Betroffener aus Angst, auf der Straße einem Hund zu begegnen, nicht mehr allein das Haus verlässt.

 

Diagnose

Um das Vorliegen einer Angststörung oder Panikstörung festzustellen, wird ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen geführt, in dem die bestehenden Symptome erfasst werden. Als Hilfestellung für das diagnostische Gespräch können strukturierte Interviewleitfäden oder Fragebögen eingesetzt werden. Neben dem Vorliegen typischer Symptome ist auch deren Ausprägung und Dauer entscheidend für die Diagnose einer Angststörung. So wird beispielsweise eine Panikstörung nur dann diagnostiziert, wenn die Angstanfälle mehrfach innerhalb eines Monats aufgetreten sind und zwischen den Attacken angstfreie Zeiträume bestanden.

Als wichtiges diagnostisches Hilfsmittel werden häufig auch so genannte Angsttagebücher eingesetzt. Die damit gesammelten Informationen darüber, wie oft, in welchen Situationen und wie stark die Angst innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgetreten ist, dienen auch der individuellen Therapieplanung.

Um auszuschließen, dass die Angstsymptome auf eine körperliche Ursache zurückzuführen sind (z.B. eine Schilddrüsenüberfunktion), erfolgt in der Diagnostik von Angststörungen auch eine ausführliche körperliche Untersuchung.

 

Therapie

In der Therapie von Angststörungen hat sich eine Kombination medikamentöser sowie psycho- und soziotherapeutischer Ansätze als besonders wirkungsvoll erwiesen.

Entspannungsverfahren

Da das Erleben von Angst meist mit einer hohen Anspannung verbunden ist, ist es in der Behandlung der Angststörung besonders effektiv, wenn der Betroffene lernt, sich in einen Zustand der Entspannung zu bringen. Dazu sind folgende Techniken geeignet:

Autogenes Training, bei dem bestimmte Körperteile durch die Vorstellungskraft willkürlich entspannt werden

Progressive Muskelentspannung, welche die gezielte An- und Entspannung einzelner Muskelgruppen umfasst

Biofeedback, in dessen Rahmen dem Übenden Rückmeldung darüber gegeben wird, wie stark und an welchen Körperpartien er angespannt ist

Kognitive Therapie

Bei der kognitiven Therapie soll der Betroffene erkennen, welche Denkabläufe, wie etwa die Bewertung der körperlichen Symptome als Gefahr, zur Aufrechterhaltung seiner Angst beitragen. Diese Denkmuster sollen anschließend korrigiert werden.

Verhaltenstherapie

Im Rahmen der verhaltenstherapeutischen Behandlung von Angststörungen geht es vor allen Dingen darum, den Betroffenen dazu zu bringen, die Angst auslösenden Situationen und Objekte nicht mehr zu meiden. Um dies zu erreichen, werden die Verfahren systematische Desensibilisierung und Reizkonfrontation angewandt. Hierbei soll sich die Person entweder in der Realität oder auf der Vorstellungsebene der Angst auslösenden Situation aussetzen. Dabei wird entweder schrittweise, das heißt bei der am wenigsten gefürchteten Situation beginnend, vorgegangen, oder der Betroffene setzt sich gleich der intensivsten Angstsituation aus. Ziel dieser Verhaltenstherapie ist, dass die Person durch die Konfrontation mit der bisher gemiedenen Angstsituation merkt, dass die befürchteten Konsequenzen ausbleiben, und sie so ihre Angst verliert.

Tiefenpsychologische Verfahren

Das tiefenpsychologische Verfahren beruft sich auf die psychoanalytische Erklärung für Angststörungen. Der Konflikt, der nach dieser Erklärung der Angst zugrunde liegt, wird in der Therapie aufgedeckt und bearbeitet. An erster Stelle steht soll die Fähigkeit zur Angstbewältigung verbessert werden. Das tiefenpsychologische Verfahren erstreckt sich meist über mehrere Jahre.

Soziotherapie

Bei der Soziotherapie geht es insbesondere darum, durch Einsatz von Gruppentherapie und stufenweise berufliche (Wieder-)Eingliederung die soziale Isolierung, die häufig mit einer Angststörung einhergeht, zu vermindern.

Medikamentöse Therapie

Bei der medikamentösen Therapie von Angststörungen werden am häufigsten Beruhigungsmittel eingesetzt, deren Dosierung langsam gesteigert und ebenso stufenweise wieder vermindert wird. Bei einer Langzeitbehandlung besteht das Risiko einer Abhängigkeit. Am erfolgreichsten wurden diese Präparate bei der Therapie von Panikstörungen eingesetzt. Aufgrund ihrer beruhigenden Wirkung werden bei der Behandlung von Angststörungen auch Antidepressiva verschrieben.

SSRI und sSNRI

Bei Angststörungen kommen häufig selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) bzw. Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (sSNRI) wie Citalopram, Fluoxetin oder Venlafaxin zum Einsatz. sSNRI und SSRI hemmen selektiv die Wiederaufnahme von Serotonin bzw. Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzelle und verlängern so die positive Wirkung dieser Botenstoffe im Gehirn. Die Stimmung wird aufgehellt und Ängste werden gelindert. Seltene Nebenwirkungen können Herz-Kreislauf-Beschwerden, Kopfschmerzen, Übelkeit und Verdauungsprobleme sein. sSNRI dürfen nicht in Kombination mit Triptan-Präparaten verwendet werden (z.B. Migräne-Medikamenten).

Besonders sSNRI wie Venlafaxin zeigen in der langfristigen Erhaltungstherapie eine gute Rückfallprophylaxe.

Weitere Antidepressiva

Neben den SSRI und sSNRI werden in der Therapie von Angstzuständen so genannte MAO-Hemmer wie Moclobemid sowie tri- und tetrazyklische Antidepressiva wie z.B. Doxepin verwendet. MAO-Hemmer verhindern den Abbau der so genannten Monoamine (Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin), sodass diese in höherer Konzentration vorliegen und somit depressions- und angstlindernd wirken.

Besonders tri- und tetrazyklische Antidepressiva lindern Angstzustände und innere Unruhe. Sie greifen in die Konzentration der Botenstoffe im Gehirn ein, indem sie die Aufnahme der Botenstoffe in die Nervenzellen hemmen. Somit stehen die Botenstoffe in höherer Konzentration zur Weiterleitung zwischen den Nervenzellen zur Verfügung.

Betablocker

Personen, die unter phobischen Störungen leiden, werden manchmal mit Betablockern behandelt, die dazu führen, dass psychische und körperliche Symptome nicht mehr so eng miteinander verbunden sind. Es können allerdings Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen, Hautallergien und depressive Verstimmungen auftreten. Auch ist darauf zu achten, dass z.B. Konfrontationsübungen zur Überwindung des Meidungsverhaltens nicht unter dem Einfluss Angst lösender Medikamente durchgeführt werden: Der Betroffene soll erfahren, dass er auch ohne medikamentöse Unterstützung in der Lage ist, sich seiner Angst zu stellen und diese zu überwinden.

Benzodiazepine

Um die Zeit bis zur Wirkung der Antidepressiva zu überbrücken, werden häufig so genannten Benzodiazepine eingesetzt. Sie gehören zur Gruppe der Beruhigungs- und Schlafmittel und können abhängig machen, sodass sie nur kurze Zeit verwendet werden dürfen.

 

Verlauf

Der Verlauf von Angststörungen ist abhängig von der Art der Erkrankung. Die Agoraphobie verläuft häufig chronisch. Erwartungsangst und Vermeidungsverhalten sind besonders stark ausgeprägt. Auch Soziale Phobien können, wenn sie nicht behandelt werden, chronisch werden. Schlimmstenfalls kommt es zu einer vollständigen Isolierung des Betroffenen.

Menschen, die unter einer Sozialen Phobie leiden, sind besonders anfällig für Alkoholismus oder Medikamentenmissbrauch. Bei spezifischen Phobien hängt die Prognose von dem Erkrankungsalter ab. In der Kindheit erworbene Phobien klingen meist ohne Behandlung ab, bei späterer Erkrankung bleibt die Phobie meist bestehen. Bei einer Panikstörung kann es zu Phasen kommen, in denen die Panikattacken seltener auftreten, dann kann die Häufigkeit der Attacken aber wieder ansteigen (bis zu mehrfach pro Woche oder sogar täglich). Die Störung bleibt meist über Jahre in unterschiedlicher Intensität bestehen. Häufig sind mit dieser Störung depressive Symptome verbunden.

Auch die generalisierte Angststörung kann, ohne Behandlung, über Jahre oder Jahrzehnte bestehen bleiben. Hier ist allerdings die Beeinträchtigung der sozialen Anpassung und der beruflichen Leistungsfähigkeit meist schwächer ausgeprägt als bei anderen Angststörungen.

 

Vorbeugen

Generelle Methoden zur Vorbeugung von Angststörungen oder Panikstörungen gibt es nicht. Wichtig ist es aber, beim Auftreten von Symptomen schon frühzeitig zu reagieren: Sollte man bemerken, dass man bestimmte Situationen aus Angst meidet, obwohl diese an sich nicht gefährlich sind, ist es beispielsweise ratsam, sich wieder in diese Situation zu begeben, um so die Chance zu erhalten, dort wieder angstfreie Erfahrungen zu machen.

Je früher der Teufelskreis von Angst und Vermeidungsverhalten unterbrochen wird, desto wahrscheinlicher kann eine Chronifizierung der Angstsymptomatik verhindert werden. Insbesondere wenn die Angstsymptomatik schon länger besteht, ist es sinnvoll, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, da es immer mehr Überwindung kostet, sich seinen Ängsten zu stellen, je länger die Problematik besteht.

 

Quelle: Onmeda


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